von einem Tag unter hungrigen Ziegen

Wenn man dann mal gutes Wetter und zwei Fahrräder in Kombination zur Verfügung hat, dann sollte man das ausnutzen. So ließ sich Kaffee tatsächlich zu ein wenig sportlicher Betätigung und einem Spaziergang durch das Wildfreigehege animieren.

 

Die Webseite des Tierparks verspricht ein etwa 25ha großes Waldgebiet, in dem sowohl heimische als auch verschiedenste ausländische Tiere auf die Besucher warten, die – das sollten wir dann auch feststellen – weniger scheu sind als man denken möchte.

Nachdem Kaffee zu Hause noch ein kleines Picknick für uns vorbereitet hatte, konnten wir uns am frühen Nachmittag zunächst auf den Weg machen die Räder abzuholen: meine Eltern waren in diesem Fall so nett uns ihre Drahtesel zu leihen. Doch dieser Start sollte nicht so ganz reibungslos ablaufen, kaum waren die ersten hundert Meter geradelt, stellte Kaffee fest, dass sein Hinterrad nicht genug Luft hatte. Mist! Also umdrehen und nach einer geeigneten Luftpumpe fahnden. Schnell lernten wir, dass eine Standard-Pumpe nicht ausreichen würde und erweiterten spontan die Route um den Haltepunkt Tankstelle.

Mit frisch aufgefüllten Reifen ließ es sich doch gleich viel besser fahren und die knappen 7 Kilometer waren in gemütlichen zwanzig Minuten auch abgestrampelt. Unsere Route führte durch die Bauernschaft, abgesehen von ein, zwei vereinzelten Autos wird man hier kaum gestört und kann sich zu einem kleinen Wettrennen hinreißen lassen. Oder die Natur genießen, je nach Vorliebe.

Am Zielort angekommen parkten wir die Räder unter einigen Bäumen und betraten das umzäunte Gelände. Das Wilfreigehege bietet auch etliche Stellplätze für Autos an, ich selbst hab es schon einige Sonntage erlebt, an denen die angrenzende Straße ebenfalls zum Parkplatz umfunktioniert wurde aber heute war es ziemlich ruhig. Werktag halt. Dementsprechend war es auch keine Überraschung, dass die kleine Kassenhäuschen-Kiosk-Kombination nicht besetzt war. Ein Schild forderte uns auf den Eintritt (7,- € für mich als Vollzahler und Kaffee als Studenten zusammen) beim Personal selbst oder an der “Futterhütte” zu begleichen. Also machten Kaffee und ich uns auf besagte Hütte zu finden, gut genug ausgeschildert war sie ja.

Wir ließen uns kurz ablenken, denn die Wildschweine, deren Gehege direkt rechts vom Haupteinang liegt, wurden gerade mit einer riesigen Portion Brötchen gefüttert. Das war ein Gewusel der Tiere in unterschiedlichsten Größen. Die Käsestangen, die der Tierpfleger über den Zaun beförderte, fanden reißenden Absatz und waren nicht selten Grund für kleinere Streits unter den Tieren. Und wenn wir ehrlich sind, Kaffee und ich hätten auch nicht nein gesagt. Alleine die Tatsache, dass es sich wahrscheinlich um Backwaren vom Vortag handelte hielt zumindest mich ab, ebenfalls den Hundeblick aufzusetzen, bei Kaffee bin ich mir da nicht so sicher.

Ziemlich schnell war anschließen auch jemand ausgemacht, bei dem wir dann zahlen konnten, praktischerweise direkt neben dem Automaten mit Futterkisten. Kraftfutter und Mais standen zur Auswahl und sollten 1,- € kosten, keine große Belastung für den Geldbeutel und sicheres Futter für die Tiere. Einmal “kräftig drücken” später, hielt ich die grüne Pappschachtel in der Hand und wir konnten unser Abenteuer beginnen. Allem Anschein nach scheint alleine das klappernde Geräusch der Futterpellets schon genug zu sein um die Aufmerksamkeit der meisten Tiere auf sich zu ziehen. Das bewiesen die (neu)gierigen Blicke der Ziegen, als wir kurz an einem der Tische in der Nähe des Geheges anhielten um uns zu sortieren. Je näher wir dem Zaun kamen, desto mehr Tiere versammelten sich, die ersten hatten schon ihre Köpfe durch die großen Öffnungen gewunden und konnten einen kleinen Snack gar nicht mehr abwarten. Die ganz mutigen unter uns ließen sich das Futter aus der Hand fressen, ich beschränkte mich dann doch eher darauf die Pellets über den Zaun zu werfen und so auch die Rehe zu beglücken.

Es war in der Tat sehr verlockend schon an diesem Gehege die komplette Kiste leer zu machen. Die Ziegen zeigten keinerlei Scheu und ließen sich sogar durch den Zaun hindurch streicheln, ähnlich wie man das auch aus dem Streichelzoo kennt. Doch Kaffee und ich waren gespannt was noch auf uns warten mochte und rissen uns los. Tatsächlich: auch die Auerochsen, Esel, Schafe, Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Nutrias ließen sich für das Futter interessieren, waren neugierig und wenig schreckhaft. Das macht ein bisschen den Charme des Wildfreigeheges aus, die Tiere lassen sich so auch aus nächster Nähe betrachten und füttern – anders als ich es aus größeren Zoos gewohnt bin.

Natürlich gab es ebenso Tiere, die nicht durch eine klappernde, hellgrüne Kiste zu begeistern waren. Die Wölfe und Luchse beispielsweise waren eher wenig interessiert am trockenen Kraftfutter, aber nichts desto trotz ein faszinierender Anblick – vor allem da es im Wolf-Gehege vor kurzem Nachwuchs gegeben hatte. Die Wolfwelpen ließen sich die Sonne auf den Pelz scheinen, während Mama aufmerksam Kaffees Kamera betrachtete.

Im ganzen Wildpark verteilt fanden sich auch immer wieder Picknick-Tische, die zu einer kleinen Pause einluden, unter Bäumen oder auf kleineren Lichtungen, aber stets mit Blick auf die Tiere. Wer nicht das Glück hat einen Menschen wie Kaffee zu haben, der super leckere Wraps macht, der hat auch die Möglichkeit einen kleinen Snack am Kiosk oder einen Kaffee am Automaten zu erwerben.

Frisch gestärkt, wanderten wir weiter unter den Bäumen durch, besuchten den Ententeich, fütterten freilaufende Hühner, versuchten die Nandus anzulocken, beobachteten wie ein Mitarbeiter seelenruhig auf einem kleinen Gefährt durch das Büffelgehege tuckerte, neckten die Hängebauchschweine und betrachteten die Pfauen. Es ist schwierig aufzuzählen wie vielen Tieren wir tatsächlich über den Weg liefen, aber langweilig war es nicht.

Und – um jetzt den Bogen zum Titel zu schlagen- eine kleine Überraschung erwartete uns dann doch noch. Wieder im näheren Umfeld des Ziegengeheges, stellten wir fest, dass sich einige der kleineren Exemplare aus ihrem Zuhause befreit hatten und munter zwischen den Spaziergängern umherwuselten. Jeder, der eine der braunen Papiertüten oder grünen Pappkartons mit sich trug, war direkt als potentieller Futtergeber ausgemacht und wurde umringt. Bei so einer netten Verabschiedung konnte uns der Rückweg gar nicht mehr schocken und die wenigen Kilometer waren in Windeseile vergangen – das Wildfreigehege ist definitiv einen Ausflug wert.

  2 comments for “von einem Tag unter hungrigen Ziegen

  1. Anonymous
    3. Dezember 2015 at 16:11

    fein gemacht

  2. Hanni
    10. Juli 2016 at 12:44

    In meinem ehemaligen Arbeitsgebiet gibt es einen Schulzoo-ein Relikt im tiefstem Osten geboren.Altreetz und ein ehemaliger Lehrer opferte sich auf und so überlebte der Zoo-Eintritt 2Euro alle Versuche ihn fertig zu machen.Beim großen Oderhochwasser kamen die Bauern aus allen Ecken und nahmen die Tiere wochenlang auf und fütterten sie durch.Denn Altreetz liegt gleich hinter der Oder und wäre beim Deichbruch abgesoffen.Jetzt haben sie das Teil umbenannt,Oderbruchzoo und der alte Herr Peter Wilberg wuselt immer noch durch die Gänge.

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