von einer feuchten Nacht in luftigen Höhen

Aus gegebenem Anlass schenkten Tee und ich uns eine Übernachtung in einem Baumzelt. Auf einem Campingplatz in Frankreich. Mit einem unerwartetem Zwischenfall.

 

Gebucht war eine Übernachtung, zwei Tage. Geplant war, dass wir Sonntags auf dem Campingplatz ankommen, unser Lager aufschlagen und uns dann in der Nachbarschaft tümmeln. Bevor die Tour überhaupt erst losgehen konnte wurden wir durch eine Email aufgefordert uns mit einem Ansprechpartner der Veranstalter in Verbindung zu setzen um diverse Kleinigkeiten zu klären. Die Kurzfassung davon lässt sich auf zwei Punkte reduzieren: “Kein offenes Feuer” und “Bitte denken Sie unbedingt daran ihr eigenes Klopapier mitzubringen”. Letzteres hat übrigens nichts mit dem allseits bekannten Toilettenzubehörsyndikat zu tun, sondern eher mit der Campingetiquette in Frankreich, so ist es dort nämlich üblich eigenes Klopapier mitzubringen, da dort keines vom Platz gestellt wird. Tee und ich besorgten also besagten Hygieneartikel und packten unsere 47 Sachen. Wäre es nicht ein Sonntag gewesen an dem wir unsere Reise antraten, so würde ich hier vermutlich über die kilometerlangen Staus lästern, die die Autobahn verstopften, doch wie gesagt, Sonntag; wir kamen erschreckend gut durch den Verkehr. Das war auch besser so, denn abgesprochen war eigentlich die Ankunftszeit 10 Uhr, was mit etwa 5 Uhr Aufstehzeit in verbindung stand, wir (ICH) uns erst gegen halb 9 aus den Decken wickeln konnten. Wir kamen also etwas gestresst gegen kurz nach halb 1 am Platz an und wurden von einem “Pause von 12 Uhr bis 13 Uhr” begrüßt. Wir mussten uns also anderweitig die Zeit vertreiben und begannen einen kleinen Spaziergang. Ein erster Blick auf den Campingplatz war durchaus vielversprechend: Sauber, organisiert, ein klarer Badesee, Wiesen, dedizierte Wege und Umgeben von ziemlich viel freiem Feld schien der Platz friedlich und sehr freundlich. Nachdem wir eine angemessene Zeit vertrödelten begaben wir uns wieder zur Rezeption und wurden nach einer kurzen Wartezeit wegen uns vorangegangener Co-Camper prompt und freundlich eingewiesen. Ein wundervoller junger Mann begrüßte uns auf französisch, fragte uns auf deutsch ob wir englisch sprechen und erklärte uns alles in einer Mixtur aus allem dreien. Nachdem wir die Sprachbarriere so gekonnt durchbrachen wie ein Comedian die vierte Wand waren wir auch schnell im Bilde. Die Baumzelte kamen direkt als erste auf dem Weg, Toiletten- und Schrankenschlüssel gab es im Tausch für ein niedriges Pfand und wenn wir das Auto auf dem Platz parken wollten, so wäre dies gegen einen kleinen Obulus (pro Tag) möglich. Wir stimmten allem zu, denn uns wurde außerdem mitgeteilt dass zu den Baumzelten keine Lagermöglichkeiten gehörten was bedeutete entweder alles in die Unterkunft zu transportieren, oder aber jedes mal wenn man etwas brauchte zum Auto auf dem externen Parkplatz zu pendeln. Nachdem wir soweit alles verstanden und die Kurtaxe von 2,50 € pro Person entrichtet hatten, fuhr ich das Auto über einen schmalen Weg an dem von uns bereits entdeckten (Bade)See entlang zu unserem Zelt und wir erkundeten schnell unser nächtliches Domizil. Gespannt zwischen drei Bäumen hing da ein grünes Etwas. Nach kurzer Investigation war auch schnell herausgefunden wie man besagtes Etwas betritt – natürlich! eine Leiter. Im Zelt zu liegen war eine seltsame Erfahrung – Wie eine Hängematte, nur weniger bequem/gemütlich. Nicht UNgemütlich, aber weniger gemütlich. Der länge nach verlief im Boden des Zeltes ein Spanngurt, der nicht nur für zusätzliche Stabilität sorgte, sondern auch garantierte, dass man seinen Schlafpartner Nachts unter einer Körper-in-Schlafsack-Lawine begräbt. Cleveres Design. Noch zu wach um uns in unsere Schlafsäcke zu wickeln und unsere Körper dem Baumlarvenstadium zu übergeben, erkundeten wir den Platz. Die nähere Inspektion der Gebäude auf dem Campingplatz gewährte einige Einblicke. In der Badesaison wurde auch regulären Badebesuchern Zugang zum See gewährt, was über ein kleines Eingangshäuschen geregelt wurde. Auch die sanitären Einrichtungen wurden einer Überprüfung unterzogen – nichts Besonderes, aber nutzbar. Der Rest des Geländes war zwar schön, aber ebenfalls nichts besonderes. Nachdem wir auf diese Art den größten Teil des Tages verbrachten begaben wir uns zurück zum Zelt. Als Abendessen gönnten wir uns eine Packung Miracoli, dazu einen Tee für Tee und einen Kaffee für mich. Zu diesem Zeitpunkt fiel mir eine kleine Fehlplanung auf – zu wenig (gemahlener) Kaffee. Insgesamt hatte ich genug Pulver für drei Tassen, allerdings war das zu wenig Kalkuliert. Durch die Zubereitung mit der French Press (mit der ich zu diesem Zeitpunkt noch recht unerfahren war) KÖNNTE es sein, dass ich ein wenig zu freigiebig mit dem Kaffee war und mir somit die Ration für den Folgetag kürzte. Gesättigt durch absolut unauthentische italienische Pastagericht begaben wir uns schließlich doch in das Zelt und traten eine ausgesprochen interessante Nachtruhe an. Wir lagen keine 20 Minuten in unseren Schlafsäcken, da öffnete der Himmel seine Schleusen und eine omnipotente Präsenz der einen oder anderen Art schien beschlossen zu haben uns unsere eigene Sintflut zu gönnen, soll heißen: Das Zelt war nicht dicht. Wir wurden also nass. Unsere Kleidung ebenfalls. Unser Snack, eine Rolle Kekse sowieso; Essen wird bei Regen immer in Mitleidenschaft gezogen. Eine rudimentäre Überprüfung des Zeltes zeigte schnell das Problem – der wasserdichte Mantel des Zeltes wurde durch Gummizüge mit Haken an der Unterseite des Zeltes und den Spanngurten die das Zelt in den Bäumen verankern befestigt. Ein solcher Haken an einer der Ecken hatte sich gelöst und eine kleine Öffnung geschaffen, durch die Wasser ins Innere dringen konnte. Ein wenig kreativer Einsatz von Panzertape und eine mitternächtliche Trocknungsaktion mit Küchenpapier konnte die Nacht dann doch noch retten. Ein wenig groggy aber fit, standen wir am nächsten Morgen dann auf und kümmerten uns um unser Frühstück – Cornflakes, Müsli und eine reduzierte Ration Kaffee. Nachdem wir noch ein wenig gefaulenzt hatten machten wir uns an Abwasch, Aufräumen und Kollateralschadenbeseitigung. Nachdem all dies erledigt war packten wir auch schon wieder unsere Sachen ins Auto und fielen wie Heuschrecken über den nächsten Super U her. Unsere Ausbeute beinhaltete zwei Packungen Petits Fours, vier Croissaints und ein paar kleine Snacks für die Fahrt. So gerüstet machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause in unser (trockenes) warmes Bett.

Für jeden der nun wissen möchte ob wir das “Abenteuer Baumzelt” weiterempfehlen:

Dazu können wir nicht viel sagen. Die Umstände unseres Besuches könnten unsere Erfahrung natürlich negativ beeinflusst haben, außerdem waren wir nicht innerhalb der Sommersaison unterwegs, was ebenfalls eine Rolle gespielt haben kann und zu guter Letzt wäre unsere Erfahrung auf diesem speziellen Zeltplatz absolut nicht repräsentativ für das Konzept Baumzelt. Nach einiger Recherche stießen wir auf die eine oder andere Baumzeltlocation, die einen etwas anderen Ansatz zu haben schienen. Wir gingen mit der Erwartung “irgendwo im Wald zu zelten” in diesen Urlaub und waren natürlich schon leicht enttäuscht, als wir feststellten dass wir im endeffekt zwischen vielleicht etwas mehr als zwei dutzend Bäumen auf einem gut frequentiertem Zeltplatz nächtigen würden. Dementsprechend von uns folgende Aussage:

Recherchiert auf welcher Art Grundstück ihr stehen würdet und wählt darauf basiert eure Buchung!

  1 comment for “von einer feuchten Nacht in luftigen Höhen

  1. Hanni
    10. Juli 2016 at 12:56

    Aus Erfahrung wird man klug,nun seid Ihr gewappnet und plant das nächste Mal intensiver. Zelten und Baumhaus,wäre nicht mein Traum,Dein Opa Werner wäre da mit Feuereifer dabei gewesen.

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